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Ein seltener Gast am Futterhaus – ein Specht
In den vergangenen Wochen haben wir viele verschiedene Vögel am Futterhaus kennen gelernt: kleine und größere, unscheinbar und farbenfroh gefiederte. In strengen Wintern gesellt sich mitunter ein seltener Gast hinzu - ein Specht.
Spechte sind starke Baumeister und super Trommler. Sie sind Höhlenbrüter und werden als die Zimmerleute des Waldes bezeichnet. Ihre Höhlen meißeln sie dicht unterhalb der Krone in die Baumstämme. Dabei werden fast 10000 Späne aus dem Baum gemeißelt, bis die Wohnhöhle fertig ist. Für jeden einzelnen Span macht der Specht 14-17 Schnabelhiebe.
Die mittelgroßen Vögel mit dem kräftigen, gedrungenen Körper besitzen scharfe Krallen zum Festhalten am Baumstamm, steife Schwanzfedern zum Abstützen und einen festen, scharfen Schnabel zum Meißeln. Sie haben eine extrem lange verhornte borstige Zunge. Ihre Füße sind typische Kletterfüße, die Vögel können damit aufwärts und abwärts, allerdings nicht kopfüber, am Baum klettern.
Der ca. 23 cm große Buntspecht ist der häufigste Specht und trägt ein farbenfrohes Federkleid. Sein schwarzer Rücken und der schneeweiße Bauch, der schwarze Kopf mit den weißen Wangen und die schwarzen Flügel mit den weißen Tupfen bilden ein kontrastreiches Gefieder. Auffallend sind die leuchtend rote Schwanzunterseite und der rote Nackenfleck beim männlichen Vogel.
Junge Buntspechte haben sogar einen rot gefärbten Oberkopf.
Der als Einzelgänger lebende Vogel benötigt sehr große Reviere und ist in Laub-, Misch- und Nadelwäldern, Parkanlagen und Friedhöfen zu Hause.
Seine Ernährung ist sehr vielseitig: die Speisekarte aus dem Gasthaus „Baum und Borke“ besteht aus im Holz lebenden Käferlarven, tief unter der Borke sitzenden Insekten und Raupen und im Winter aus Hasel- und Walnüssen, Mandeln, Bucheckern und Eicheln sowie vor allem aus ölhaltigen Samen von Fichten und Kiefern, die mühsam aus den Zapfen herausgepickt werden.
Fast gleichgroß ist der seltenere Mittelspecht, welcher Nadelwälder meidet, dafür aber gern in der Nähe von Streuobstwiesen und Gartenanlagen lebt. Sein Aussehen ähnelt dem Buntspecht, er unterscheidet sich von diesem nur durch den breiten roten Scheitel auf dem Kopf.
Bei strenger Kälte naschen beide gern am Futterhaus die Sonnenblumenkerne oder picken eifrig auch an Meisenknödeln und –ringen herum.
Der mit 32 cm Körperlänge fast taubengroße Grünspecht ist eine echte Schönheit. Rücken und Flügel sind olivgrün, der Bauch und Kopf graugrün gefärbt. Gelbe Federn in der Bürzelgegend und einige schwarz-weiß gepunktete Federn an den Flügeln ergänzen sein markantes Aussehen. Auffällig sind die schwarze Augenumgebung und bei Herrn Grünspecht der breite rote Scheitel vom Schnabel bis zum Nacken sowie der rote Bartstreif. Der in Laubwäldern, Parkanlagen und auf Streuobstwiesen beheimatete Vogel sucht seine Nahrung vorrangig am Erdboden und wird deshalb auch als Erdspecht bezeichnet. Er ist ein Ameisenspezialist und meißelt sogar im Winter gefrorene Ameisenhaufen auf und holt sich mit seiner 10 cm langen Zunge die leckere Tiefkühlkost aus dem gefrorenen Erdboden.
Gudrun Natschke
Igelschutzzentrum
NABU Landesverband Sachsen e.V.
Quellen:
Foto: Michael Ochsenkühn / pixelio.de

